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Dörnchen und Amanda!

 

Doernchen AmandaLang, lang ist es her! Ich denke, es war Anfang der achtziger Jahre. Da erhielt ich, als Vorsitzende des TSV Giessen einen Anruf der Polizei, es müsse sofort ein Rauhhaardackel abgeholt werden. Der Hund säße neben seinem gestorbenen Herrchen und ließe niemanden in die Wohnung. Ein Dackel, wie lächerlich! Wir fuhren zu dem Ort des Geschehens und das Lachen verging uns. Ein Dackel fletschte mit den Zähnen und gab Töne von sich wie ein Wolf! Er war startklar zum Angriff! Also zurück ins Tierheim und mit einem Hundefangnetz im Auto zurück zum Ort des Geschehens. Vorsorglich hatten wir unsere Tierärztin mitgenommen. Die Lage war unverändert! Im Gegenteil- der Dackel war noch mehr "in Fahrt"! Polizei, Notärzte, Bestattungsunternehmer und nun auch wir standen stramm vor 5 kg Hund! Diese Blamage konnten wir nicht auf uns sitzen lassen! Frau Rethorn ging auf den Dackel zu, der setzte zum Sprung an und......... landete im Netz! Meine Güte- Dackel können doch nicht solche Kräfte haben! Seine Stimme überschlug sich, er wollte das Netz zerfetzen- aber es gelang uns, Netz und Hund heil ins Tierheim zu bringen. Aber nicht bis in den Zwinger! Denn im Hof machte es platsch und der Dackel saß vor uns! Wenn Blicke töten könnten, wir alle wären tot umgefallen. Keine Chance, nur in seine Nähe zu kommen. Dann kam uns eine "Blitzidee"! Dackelrüde, wir haben eine heiße Hündin! Und die setzten wir ihm vor die Nase. Und dann passierte etwas unglaubliches, dass wir uns alle vor Lachen krümmten! Der Dackel hob den Kopf, roch an der Hündin und fing fürchterlich an zu schreien. Er rannte um sein Leben- direkt ins Hundehaus! Dort saß er zitternd und bebte vor Angst am ganzen Körper. Von Kampfdackel keine Spur mehr. Fast erleichtert war er, als wir ihn in seinen Zwinger setzen. Dörnchen hieß er, Dörnchen vom Zwinger............, das weiß ich nicht mehr. Er entwickelte sich gut, alle Menschen, die mit dem Tierheim etwas zu tun hatten, konnten mit Dörnchen alles machen. Er wurde zu unserem Bürohund- allerdings nur außerhalb der Besuchszeit. Schnell stellten wir fest- Dörnchen liebte Rüden! Da wurde er zum Kavalier und Charmeur! Er war eine Lachnummer, wenn er die Rüden umgarnte! Eines Tages kam eine Dackeline namens Amanda ins Tierheim. Das Tierheim war bis auf den letzten Platz belegt. Wohin also mit Amanda? In diesem Moment kam Dörnchen um die Ecke! Er saß Amanda - und war hin und weg! Hurra- Dörnchen war in eine Hündin verliebt! Und wie! Er begleitete seine Auserwählte überall hin. Klar, sie wurde Bürohund Nummer zwei! Die beiden Dackel waren wie ein altes Ehepaar! Wo der eine war, war der andere nicht weit! Ein Traumgespann- bald so bekannt wie "ein bunter Hund"! Viele Jahre verbrachten die zwei Dackel im Tierheim, wurden liebevoll "unser lebendes Inventar" genannt! Als Dörnchen schon 12 Jahre alt war, erlebten wir ein high light mit ihm. Er war ja ein "adeliger" Hund mit Papieren. Auf der Hundeausstellung in Dortmund sollte der schönste Senior prämiert werden! Da musste Dörnchen mitmachen! Er benahm sich im Vorstellungsring wie ein Profi! Im Laufschritt ging es im Kreis. Aus der Puste kam nur einer- und das war ich. Dörnchen trabte, als hätte er noch nie etwas anderes gemacht! Zwar biss er die Richterin mal kurz in den Finger, als sie sein Gebäude kontrollierte, aber die fand das toll und nannte ihn einen Pfundskerl! Bei der Siegerehrung errang unser Dörnchen den ersten Preis, bekam eine Schleife und einen Pokal! Was ihn völlig kalt ließ! Bei der Siegerehrung hob er den Kopf so hoch, als wolle er allen sagen: ich, Dörnchen aus dem Tierheim Giessen bin ein toller, bildschöner und rotzfrecher Dackelopa! Alt sind sie geworden, Dörnchen und Amanda! Als sie in den Hundehimmel gingen, war im Tierheim "Staatstrauer"! Vergessen haben wir sie nie. Und als ich jetzt das alte Bild fand dachte ich, es ist eine Geschichte, die man schreiben muss.

 

 

 

 

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